Anschaffungskosten des Vorratsvermögens – ein Überblick

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Insbesondere für Handelsunternehmen ist der Bereich Warenbeschaffung ein wichtiger Bereich zur Gewinnoptimierung. Für die steuerliche Gewinnermittlung sind nicht nur die möglichen Teilwertabschreibungen auf den Warenbestand von entscheidender Bedeutung, sondern auch die möglichen Anschaffungsnebenkosten und der Abzug der verschiedensten Lieferantenkonditionen als Anschaffungspreisminderungen.

Anschaffungskosten

Ausgangswert für die Warenbewertung sind die Anschaffungskosten für die Ware. Anschaffungskosten sind die Aufwendungen, die geleistet werden, um einen Vermögensgegenstand zu erwerben und ihn in einen betriebsbereiten Zustand zu versetzen, soweit sie dem Vermögensgegenstand einzeln zugeordnet werden können. Zu den Anschaffungskosten gehören auch die Nebenkosten sowie die nachträglichen Anschaffungskosten. Anschaffungspreisminderungen, die dem Vermögensgegenstand einzeln zugeordnet werden können, sind abzusetzen.

Anschaffungsnebenkosten (ANK)

Das zivilrechtliche Eigentum an der Ware geht in der Regel mit Erreichen des Zentrallagers vom Lieferanten auf das Handelsunternehmen über. In bilanzieller Hinsicht ist das Ende des Anschaffungsvorgangs aber erst mit Anlieferung der Ware an den Point of Sale (in den Markt oder die Filiale) anzunehmen. Derartige Logistikkosten stellen deshalb ANK dar. Denn sie sind objektiv notwendig, um das Wirtschaftsgut erstmals seiner Zweckbestimmung entsprechend – der Veräußerung an Kunden – nutzen zu können. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Leistungen von einem externen Unternehmen erbracht werden oder ob es sich um intern erbrachte, einzeln zurechenbare Lager- und Transportleistungen (unechte Gemeinkosten) handelt.

Anschaffungspreisminderungen (APM)

Von den Lieferanten werden in den für ein Jahr abgeschlossenen Rahmenverträgen regelmäßig APM in unterschiedlichster Höhe als kalkulierte oder nachlaufende Vergütungen vereinbart. Die Würdigung, ob APM oder sonstige Erlöse anzunehmen sind, hängt vom Einzelfall ab. Entscheidend für eine Beurteilung ist, ob tatsächlich das Handelsunternehmen entsprechend der vertraglichen Vereinbarung zu einer in Art und Umfang festgelegten Leistung verpflichtet ist, dass weiterhin die Erfüllung der vereinbarten Leistung vom Lieferanten gegebenenfalls eingeklagt werden kann und ein nachvollziehbares wirtschaftliches Interesse des Lieferanten an der vereinbarten Leistung besteht. Als Ertragszuschuss zu beurteilende Konditionen sind beispielsweise Einrichtungs-/ Vertriebskostenzuschuss oder Regalpflege für den Lieferanten.

Soweit die Preisminderung dem Artikel einzeln zugeordnet werden kann und kein Entgelt für eine nicht mit dem Warenbezug im Zusammenhang stehende Leistung vorliegt, kann eine APM angenommen werden. Die steuerliche Beurteilung ist dann problematisch, wenn unter Preisminderungen Konditionen verbucht werden, die nicht den typischen Bonus-Charakter haben. Die variablen Spitzenboni werden beispielsweise (wenn überhaupt) in unterschiedlicher Höhe von Lieferanten bei Überschreiten einer bestimmten Einkaufsquote für den gesamten Wareneinkauf der Artikel im Wirtschaftsjahr zugesagt. Wenn dieser Bonus nicht artikelbezogen gewährt wird, ist er nicht einzeln zurechenbar und damit keine APM.

Eine zutreffende Ermittlung bzw. Prüfung der Anschaffungskosten wird zukünftig für Handelsunternehmen, deren Wirtschaftsprüfer/ Steuerberater und die Betriebsprüfung einen breiten Raum einnehmen. Dabei wird eine eindeutige vertragliche Vereinbarung hilfreich sein.

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