Gewerbesteuer-Anrechnung bei Gesellschaftern von Personengesellschaften

Die Gewerbesteueranrechnung nach § 35 EStG soll die zusätzliche steuerliche Belastung von gewerblichen Personen­gesellschaften mit Gewerbesteuer gegen­über Freiberuflern sowie Land-­ und Forst­wirten, aber auch Steuersatznachteile gegenüber Kapitalgesellschaften abdämp­fen.

Die Regelung ist jedoch stark typisie­rend gestaltet, da für die Verteilung der anrechenbaren Gewerbesteuer bei Mitunternehmerschaften auf die Gesell­schafter ausschließlich auf den handels­rechtlichen (allgemeinen) Gewinnverteilungsschlüssel abgestellt wird. Tätigkeits­vergütungen, Vorabgewinne und Er­gebnisse aus Sonder­ und Ergänzungsbilanzen werden nicht berücksichtigt, machen jedoch häufig einen erheblichen Teil der Einkünfte der Gesellschafter aus. Da die anrechenbare Gewerbesteuer nicht entsprechend den tatsächlichen gewerb­lichen Einkünften der Gesellschafter verteilt wird, kann das zu einem Miss­verhältnis zwischen Einkommensteuer und möglicher Gewerbesteueranrechnung führen. Es kann dadurch zur teilweisen Nichtanrechenbarkeit von Gewerbesteuer kommen, also zum Verlust von Anrech­nungspotenzial.

Resultiert daraus eine sachlich nicht ge­rechtfertigte Steuerbelastung einzelner Gesellschafter, kann dem z. B. durch zivil­rechtlich geschlossene Ausgleichsverein­barungen begegnet werden. Kann jeder Gesellschafter die ihm im Rahmen der Gewinnverteilung zugerechnete Gewer­ esteuer in voller Höhe anrechnen, erge­ben sich keine Nachteile.

Bei hohen Vorweggewinnen bzw. Tätig­keitsvergütungen einzelner Gesellschafter kann es bei den übrigen Gesellschaftern dazu kommen, dass ihr Restgewinn nicht mehr ausreicht, um die Gewerbesteuer vollständig auf die Einkommensteuer anzurechnen. Das führt zu einer Erhöhung der Gesamtsteuerbelastung aller Gesell­schafter. Gleiches gilt, wenn eine GmbH,  die keine Gewerbesteuer anrechnen kann, einen Anteil am Jahresüberschuss erhält. Wenn alle Gesellschafter gemeinsame Interessen verfolgen, lässt sich in derar­tigen Sachverhalten durch die geänderte Ausgestaltung von Vorweggewinnen, Tätigkeitsvergütungen bzw. Restgewinn­anteilen die Gesamtsteuerlast der Gesell­schafter verringern.

Zurück