Corona: Wichtige Informationen für Unternehmen

Aufgrund der zunehmenden Verschärfung der Corona-Pandemie und den damit einhergehenden Einschränkungen des allgemeinen Wirtschaftslebens sowie Schulschließungen kommt es zunehmend auch zu gravierenden Einschnitten für die Unternehmen, die in ihrem ganzen Umfang bisher noch gar nicht abzusehen sind.

Als Sofortmaßnahme hat das Bundesfinanzministerium in Zusammenarbeit mit dem Bundeswirtschaftsministerium derzeit umfangreiche Sofortmaßnahmen beschlossen (bzw. sind geplant), die dazu dienen sollen, insbesondere den wirtschaftlichen Auswirkungen wirkungsvoll entgegenzutreten.

Diese Maßnahmen umfassen im Wesentlichen vier wichtige Bereiche:

1. Flexibilisierung des Kurzarbeitergeldes

  • Vereinfachte Voraussetzungen zur Beantragung von Kurzarbeitergeld durch das Absenken der Mindestquote von durch die Maßnahme betroffenen Arbeitnehmern auf 10 % (bislang ein Drittel)
  • Teilweiser oder vollständiger Verzicht auf Aufbau negativer Arbeitszeitsalden
  • Kurzarbeitergeld auch für Leiharbeitnehmer
  • Vollständige Erstattung von Sozialversicherungsbeiträgen durch die Bundesagentur für Arbeit

2. Steuerliche Liquiditätshilfe für Unternehmen sowie Maßnahmen im Bereich der Sozialversicherung

  • Finanzbehörden wurde es deutlich erleichtert, Stundungen von Steuerschulden zu gewähren. Insgesamt soll Unternehmen die Möglichkeit von Steuerstundungen in Milliardenhöhe gewährt werden. Die hierfür erforderliche Abstimmung mit den Ländern darüber wurde durch das Bundesfinanzministerium bereits abgeschlossen. Stundungsfähige Steuern sind hierbei insbesondere Einkommensteuer, Körperschaftsteuer, Solidaritätszuschlag, Gewerbesteuer sowie die Umsatzsteuer. Ausdrücklich von der Stundung ausgeschlossen sind weiterhin einbehaltene Lohnsteuerabzugsbeträge.
  • Weitgehender Verzicht der Finanzverwaltung auf Vollstreckungsmaßnahmen und Säumniszuschläge bis Ende 2020, soweit Unternehmen unmittelbar vom Coronavirus betroffen sind. Dies ist insbesondere auch für die nicht stundungsfähigen Lohnsteuerabzugsbeträge relevant.
  • Vereinfachung der Möglichkeit zur Senkung von Steuer-Vorauszahlungen. Dies ist auch rückwirkend für bereits in 2020 geleistete Vorauszahlungen möglich.
  • Bei den Steuern, welche von der Zollverwaltung verwaltet werden (z. B. Energiesteuer und Luftverkehrssteuer), soll die Generalzolldirektion angewiesen worden sein, den Steuerpflichtigen unbürokratisch entgegenzukommen. Gleiches gilt für das Bundeszentralamt für Steuern, das z.B. für die Versicherungssteuer zuständig ist und entsprechend verfahren soll.
  • Fristverlängerung für die Abgabe von Steuererklärungen 2018 durch Angehörige der steuerberatenden Berufe vom 28. Februar 2020 bis nunmehr zum 31.05.2020. Eventuell bereits festgesetzte Verspätungszuschläge sollen auf Antrag erlassen werden.
  • Auf Antrag zinslose Stundung der Sozialversicherungsbeiträge ab März 2020 bis Mai 2020 unter der Voraussetzung, dass durch die Corona-Krise eine finanzielle Notlage eingetreten ist. Zu beachten sind hierbei allerdings auch Haftungsrisiken des Geschäftsführers in Insolvenzfällen, in denen gestundete Sozialversicherungsbeiträge nicht mehr entrichtet werden können.

3. Unbegrenzte Liquiditätshilfen, staatliche Kredite

  • Bestehende KfW- und ERP-Kreditangebote werden ausgeweitet.
  • Neue „im Volumen unbegrenzte“ Maßnahmen sind in Planung.

Die Bedingungen für staatlich geförderte Unternehmerkredite werden gelockert.

Im Einzelnen betrifft dies folgende Programme:

  • KfW-Unternehmerkredit für Bestandsunternehmen
  • ERP-Gründerkredit für junge Unternehmen in den ersten fünf Jahren
  • KfW-Kredit für Wachstum für größere Unternehmen
  • Bürgschaftskredite der Bürgschaftsbanken

Bei den KfW-Krediten werden die Risikoübernahmen auf bis zu 80 % erhöht und Umsatzgrenzen für größere Unternehmen erweitert, damit mehr Unternehmen einen erleichterten Zugang zu diesen Krediten bekommen können.

Im Bereich der Bürgschaftskredite wird der Bürgschaftshöchstbetrag auf 2,5 Millionen Euro verdoppelt. Die Kreditobergrenzen wurden von 35 % auf 50 % des Betriebsmittelvolumens erweitert. Die Kriterien für eine eigenständige Vergabe durch die Hausbank wurden gelockert (bis zu 250 T€ innerhalb von drei Tagen), um den Zugang zu Bürgschaftskrediten zu erleichtern.

Beantragt werden diese Förder- und Bürgschaftskredite über die Hausbank. Ihre Hausbank berät Sie bei der Antragstellung und gibt Ihnen detaillierte Informationen zu den einzelnen Förderkrediten und Bürgschaftsvoraussetzungen.

4. Europäische Zusammenarbeit

  • Weitere Hilfsprogramme werden auf Europäischer Ebene entwickelt und abgestimmt.

5. Weitere steuerliche Maßnahmen

Das Bundesministerium für Finanzen hat zudem am 19. März 2020 ein Schreiben veröffentlicht, um den Geschädigten durch steuerliche Maßnahmen zur Vermeidung unbilliger Härten entgegenzukommen. Dieses Schreiben bezieht sich u. a. auf Stundungs- und Vollstreckungsmaßnahmen sowie auf Anpassungen der Vorauszahlungen von Steuern. Das Schreiben können Sie hier herunterladen:

Download Steuerliche Maßnahmen

Sollten die wirtschaftlichen Auswirkungen durch das Corona-Virus dazu führen, dass Ihr Unternehmen in eine Krise gerät, z. B. weil Zahlungsunfähigkeit droht, erhalten Sie nachfolgend einen ersten Überblick über die daraus resultierenden Geschäftsführungspflichten und Handlungsfelder.

Geschäftsführungspflichten und Handlungsfelder

Bitte zögern Sie nicht, uns bei Fragen im Zusammenhang mit den obenstehenden Punkten jederzeit anzusprechen.

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Steuerliche Liquiditätshilfen und Kurzarbeitergeld

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