Schwerpunkte der DPR-Prüfung 2021

Die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR) hat die Prüfungsschwerpunkte für 2021 bekannt gegeben. Diese umfassen neben den von der European Securities and Markets Authority (ESMA) festgelegten „European Common Enforcement Priorities 2020“ zwei weitere nationale Prüfungsgebiete. Es handelt sich dabei um

  • IAS 1 Darstellung des Abschlusses
  • IAS 36 Wertminderung von Vermögenswerten
  • IFRS 9 Finanzinstrumente und IFRS 7 Finanzinstrumente: Angaben
  • IFRS 16 Leasingverhältnisse
  • IAS 24 Angaben über Beziehungen zu nahestehenden Unternehmen und Personen
  • 315 HGB Inhalt des Konzernlageberichts — Risikoberichterstattung unter Beachtung der Auswirkungen von COVID-19

IAS 1 – Darstellung des Abschlusses (ESMA)

Der Bilanzierung nach IFRS liegt die Annahme zugrunde, dass das Unternehmen auch in Zukunft fortgeführt wird (going-concern). Gerade die Fortführungsprognose ist aber in der durch die Corona-Pandemie ausgelösten Krisensituation schwierig. So weist die ESMA darauf hin, dass insbesondere bei Unternehmen, in denen sich die Pandemie besonders negativ auf die Liquiditätssituation auswirkt, eine angemessene Berichterstattung mit ausreichend detaillierten, unternehmensspezifischen Angaben zur Annahme der Unternehmensfortführung erforderlich ist. Neben den Angaben zur Unternehmensfortführung sind auch an vielen anderen Stellen Annahmen und Schätzungen vorzunehmen. Hier betont die ESMA die besondere Bedeutung detaillierter Angaben zu den wesentlichen Ermessensentscheidungen und den Quellen von Schätzungsunsicherheiten (IAS 1.122 und IAS 1.125). Empfohlen werden auch Angaben nach IAS 1.129 zur Sensitivität der Buchwerte von bilanzierten Vermögenswerten und Schulden hinsichtlich der zugrunde liegenden Methoden, Annahmen und Schätzungen sowie zu den Gründen für diese Sensitivität. Kritisch sieht die ESMA eine gesonderte Darstellung der Pandemie-Auswirkungen in der Gewinn- und Verlustrechnung. Stattdessen sollten die Auswirkungen der Pandemie auf die unterschiedlichen Abschlussposten im Anhang an einer gesammelten Stelle offengelegt oder mit Querverweisen zu den einzelnen Ausführungen versehen werden.

IAS 36 – Wertminderung von Vermögenswerten (ESMA)

Bedingt durch die ökonomische Situation ist für alle Vermögenswerte im Anwendungsbereich von IAS 36 eine Werthaltigkeitsprüfung durchzuführen, sofern Anhaltspunkte für eine Wertminderung zum Abschlussstichtag vorliegen (IAS 36.9). Die Corona-Pandemie ist insofern als sog. triggering event anzusehen, welches die Werthaltungsprüfung erforderlich macht. Bei der Darstellung der Wertminderungstests müssen die verwendeten Annahmen und Schätzungen angemessen dargelegt werden. Dazu gehört auch die Angabe, wie sich die wesentlichen Annahmen im Vergleich zum vorhergehenden Werthaltigkeitstest verändert haben. Je unsicherer die Rahmenbedingungen sind, desto detaillierter müssen die Angaben zu den getroffenen Annahmen und den zugrunde liegenden Nachweisen sein.

IFRS 9 – Finanzinstrumente und IFRS 7 – Finanzinstrumente: Angaben (ESMA)

Die Berichterstattung zu Risiken aus Finanzinstrumenten nach IFRS 7 steht ebenfalls im Fokus der ESMA. Die Angaben nach IFRS 7 sollen Abschlussadressaten in die Lage versetzen, die Bedeutung von Finanzinstrumenten für die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Unternehmens sowie Art, Ausmaß und Steuerung der Risiken, die sich aus Finanzinstrumenten ergeben, einzuschätzen. Durch die Corona-Pandemie könnte sich die Bedeutung einzelner Risikofaktoren verändern oder es könnten neue Risiken hinzukommen. Wurden Verbindlichkeiten gestundet, so ist hierüber in angemessenem Maße zu berichten.

IFRS 16 – Ausgewählte Aspekte bei Leasingverhältnissen (ESMA)

Bereits im Mai 2020 hat das IASB die Änderung an IFRS 16 — COVID-19-bezogene Mietkonzessionen veröffentlicht. Danach ist es möglich, per Wahlrecht COVID-19-bedingte Mietkonzessionen, welche als Reaktion auf die Pandemie in Form von Stundung oder Erlass von Leasingraten in vielen Ländern getätigt wurden, gemäß IFRS 16.46A nicht als Änderung des Leasingverhältnisses zu bilanzieren. Bei der Inanspruchnahme des neu eingeführten Wahlrechts sind entsprechende Angaben im Anhang vorzunehmen (IFRS16.60A). Die ESMA weist ausdrücklich auf die Bedeutung der Fälligkeitsanalyse von Leasingverbindlichkeiten (IFRS 16.58) sowie nicht bilanzierte potenzieller Zahlungsmittelabflüsse (IFRS 16.59) hin. Hierzu gehören insbesondere Abflüsse aus variablen Leasingzahlungen, Verlängerungs- und Kündigungsoptionen sowie Restwertgarantien und Leasingverhältnissen, die der Leasingnehmer eingegangen ist, die aber noch nicht begonnen haben. Außerdem ruft die ESMA Leasinggeber, die Mietzugeständnisse gewährt haben, bei Gegenständen von Operating-Leasingverträgen dazu auf, angemessene Angaben zu machen, die das Risiko widerspiegeln, dass die aktuellen Marktbedingungen zu erheblichen Wertänderungen der Vermögenswerte führen können.

IAS 24 – Angaben über Beziehungen zu nahestehenden Unternehmen und Personen (DPR)

Die DPR legt aufgrund zahlreicher Fehlerfeststellungen und Hinweise rund um die Angaben zu nahestehenden Unternehmen und Personen nach IAS 24 diesen Bereich als nationalen Prüfungsschwerpunkt fest. Im Fokus stehen dabei die Abgrenzung und die Identifizierung der nahestehenden Unternehmen und Personen. Hinzu kommen Angaben zum obersten beherrschenden Unternehmen (IAS 24.13), Angaben zur Art der Beziehung, zur Höhe und zu den Bedingungen von Geschäftsvorfällen sowie zu ausstehenden Salden (IAS 24.18), die Kategorisierung der Angaben über die Beziehungen zu nahestehenden Unternehmen und Personen (IAS 24. 19) sowie die Konsistenz der Angaben zum Abhängigkeitsbericht und die korrekte Wiedergabe der Schlusserklärung (§ 312 Abs. 3 AktG).

§ 315 HGB Konzernlagebericht – Risikoberichterstattung unter Beachtung der Auswirkungen von COVID-19 (DPR)

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Risikoberichterstattung im Lagebericht. Die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf die Risiken des Unternehmens müssen hinreichend beurteilt und beschrieben werden. Dabei weist die DPR ausdrücklich darauf hin, dass neben den Einzelrisiken auch etwaige bestandsgefährdende Risiken durch eine vollständige und angemessene Berichterstattung ausreichend gewürdigt werden müssen. Auch die Risiken aus der Verwendung von Finanzinstrumenten gem. § 315 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 HGB stehen im Fokus. In diesem Zusammenhang werden das Ausmaß von Ausfall- und Liquiditätsrisiken sowie die Darstellung und Erläuterung wesentlicher finanzieller Risiken im Zusammenhang mit Financial Covenants hervorgehoben.

 

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